Kelter, Rietenau

Quelle: Kiesersche Forstkarte 1685

Schon auf der Kieserschen Forstkarte von 1685 ist in Rietenau – damals noch unter dem Namen Ridena – eine Kelter eindeutig eingezeichnet. Sie liegt nordwestlich des heutigen Ortskerns, also an einer Stelle, die schon damals etwas abseits der Siedlung lag. Die historische Darstellung zeigt deutlich, dass die Kelter am Fuß ausgedehnter Weinberge stand. Die Karte zeigt eine große Fläche die durch die Weinberge eingenommen wird sie lagen im östlichen Teil von Rietenau in Richtung des heutigen Waldes.

Rietenau (damals Ridena) ca. 1680 Quelle

Der Weinbau besitzt in Rietenau eine lange Tradition, doch wie in vielen anderen Gemeinden der Region ging er im Laufe der Zeit stark zurück. Die Gründe dafür ähneln jenen in Kirchberg an der Murr: Die Reblausplage des späten 19. Jahrhunderts setzte den Rebhängen massiv zu, und während des Ersten Weltkriegs führte der Mangel an Arbeitskräften dazu, dass viele Weinberge nicht mehr bewirtschaftet werden konnten. Zahlreiche Winzer gaben den Weinbau schließlich auf und stellten auf Obstkulturen um, insbesondere auf Mostobst, Kirschen und Zwetschgen.

Trotz dieses Niedergangs ist der Weinbau in Rietenau nie vollständig verschwunden. Auch heute noch wird – wenn auch in deutlich geringerem Umfang – Wein angebaut, sodass die alte Tradition bis in unsere Zeit fortlebt.

Heute vor Ort:

Heute erinnert vor Ort nur noch wenig an das einstige Keltergebäude. Die Stelle liegt nun unscheinbar inmitten einer Weggabelung, an der zwei Wege zusammenlaufen. Der eine heißt noch heute Kelterweg. Auf dem Gelände selbst stehen Bäume, und im Hintergrund zeichnen sich die ehemaligen Weinberge ab, die heute als Streuobstwiesen genutzt werden.

Wer jedoch genauer hinsieht, entdeckt noch Spuren der Kelter. Im hinteren Bereich des Areals verläuft eine auffallend gerade, leicht abfallende Geländekante, die sehr wahrscheinlich die Rückseite des Gebäudes markiert. Zum Hang hin lässt sich zudem eine Art Rampe erkennen, über die einst Trauben oder Fässer bewegt worden sein könnten. Steine oder andere bauliche Reste sind nicht mehr vorhanden.

Nur etwa fünf Meter vom vermuteten Standort der Kelter entfernt entspringt eine Quelle, die bis heute genutzt wird. Ihre Nähe zum Gebäude ist kaum Zufall, denn Keltern benötigten stets Wasser – sei es zum Reinigen der Fässer, zum Kühlen oder für den Betrieb der Anlage.


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