Alte Salzstrasse, Rielingshausen

Die alte Salzstraße, die an Rielingshausen vorbeiführt, war eine der bedeutendsten mittelalterlichen Handelsrouten der Region. Sie verband die Salinen von Schwäbisch Hall mit den wirtschaftlich wichtigen Städten im Neckarraum und führte über Backnang und Großaspach nach Rielingshausen, bevor sie weiter in Richtung Marbach und Ludwigsburg verlief. Der Verlauf entspricht heute weitgehend der südlich am Ort vorbeiführenden „Langen Straße“. Über Jahrhunderte transportierten Händler, Fuhrleute und Salzkarawanen hier das wertvolle „weiße Gold“, das im Mittelalter lebensnotwendig und entsprechend begehrt war. Die Route brachte dem Dorf wirtschaftliche Impulse, etwa durch Gasthöfe, Rastplätze, Handwerk und Abgaben. Erst im 18. Jahrhundert verlor die alte Salzstraße an Bedeutung, als eine neu angelegte Chaussee den Fernverkehr übernahm. Die Landschaft rund um Rielingshausen mit ihren Hochflächen und gut befahrbaren Böden bot ideale Voraussetzungen für eine solche Fernroute, die vermutlich schon in vor- und frühmittelalterlicher Zeit genutzt wurde und sich später zu einer der wichtigsten Verkehrsadern zwischen Hall und dem Neckarraum entwickelte.

Das LAD Baden Württemberg schreibt

Mittelalterliche und neuzeitliche Salzstraße
Rielingshausen liegt verkehrsgünstig an der im 18. Jahrhundert auch als Landstraße bezeichneten ehemaligen Salzstraße. Durch den unweit des Ortes gelegenen Murr-Übergang, der im Jahr 1310 erstmals erwähnten „Swabbesprügge“, sind mittelalterliche Ursprünge der überregional bedeutsamen Verkehrsverbindung gesichert. Infolge des im 19. Jahrhundert nach Norden verschobenen Verlaufs der Staatsstraße ist der verzeichnete Abschnitt als Zeugnis der Landes- und Wirtschaftsgeschichte auch obertägig sichtbar überliefert.(..)

Quelle: Rielingshäuser Ortsbuch 1973
Quelle: GEOPORTAL BW

Ca. 1 km östlich der noch heute sichtbaren Straße steht im Frümesshof das Gebäude des ehemaligen Gasthofs Rose. Einst war er ein lebendiger Knotenpunkt am Weg: ein Ort, an dem Reisende eine Pause einlegten, sich stärkten, ihre Pferde tränkten oder erschöpfte Tiere gegen frische tauschten.

Gasthaus Rose Frühmesshof, das alter der Zeichnung ist mir nicht bekannt.

Der Gasthof war weit mehr als nur eine einfache Raststation – er war ein Begegnungspunkt, an dem sich Händler, Fuhrleute und Wanderer über den Weg liefen. In den Ludwigsburger Geschichtsblättern finden sich bis heute einige amüsante Anekdoten.

Der Maienausflug des Schillervereins Marbach auf den Frühmeßhof galt wohl vor allem dem dortigen Rosenwirtstöchterlein Sophie Motzer (1861-1931), das Haffner seinem Lieblingsverein als künftige Lebensgefährtin vorstellen wollte.

Quelle: Ludwigsburger Geschichtsblätter

Schon im Jahre 1845 erschienen auch Anzeigen in der Marbacher Zeitung Annoncen für einen sogenannten Lichtkarz:

Schon im Jahr 1845 und auch in den folgenden Jahren findet sich immer wieder die Anzeige »Frühmeßhof Vollmond« mit einem Datum. Diese verschlüsselte Anzeige weist sicherlich auf die Abhaltung eines sogenannten Lichtkarzes hin, wie er seit mehr als hundert Jahren unter den argwöhnischen Blicken der Obrigkeit, besonders der geistlichen Obrigkeit, abgehalten wurde. Es handelt sich dabei um eine frühe Form von »Singlepartys«, bei der sich unverheiratete Burschen und Mädchen abends unter dem Vorwand trafen, hand- und hauswerkliche Tätigkeiten zu verrichten. In Wirklichkeit waren diese Treffen nichts anderes als ein Heiratsmarkt.

Quelle: Ludwigsburger Geschichtsblätter

Ein weiterer sichtbarer Teil der Straße befindet sich ca. 1km Nordwestlich von Rielingshausen in der Nähe der Schweißbrücke über die Murr. Auf einer Karte von 1868 ist der Verlauf der Strasse noch gut zu sehen und einfach mit dem auf der Lidarkarte vergleichen.

Quelle: Paulus Handkarte
Schlinge oben: aktueller Strassenverlauf, Schlinge Mitte: Alte Salzstrasse, Schlinge Unten: Murr

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2 Kommentare zu „Alte Salzstrasse, Rielingshausen

  1. Hallo und guten Tag,

    Thomas Lehmann aus BK- Strümpfelbach hier.

    Hier ein paar Infos zum Beitrag „Salzstraße, Rielingshausen“ aus meiner Ecke:

    Am Ort des heutigen Altenheims Staigacker befand sich historisch das Gasthaus Ochsen, welches als Relaisstation Reservepferde bereithielt. Auf Zuruf wurde der Stallbursche mit Pferden ins Tal geschickt, um das Gespann mit zusätzlichen „PS“ den Berg hinauf zu ziehen. Der Straßenname in Strümpfelbach ist auch heute noch Salzstraße.

    Die nächste Relaisstation war das Gebäude Backnanger Straße 16 in Kirchberg- Frühmeßhof.

    Viele Grüße

    Thomas Lehmann

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    1. Hallo Thomas, vielen Dank für deinen Kommentar. In den nächsten Tagen ergänze ich den Artikel zum Gasthaus im Frühmesshof, da gibt es einige tolle Geschichten und alte Bilder dazu. Viele Grüße
      Sven

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