Galgen, Kirchberg

Quelle: GeoportalBW

Im Hartwald findet sich der historische Flurname „Kirchberger Richtstatt“, der auf eine frühere Hinrichtungsstätte hinweist. Interessanterweise gehörte die Richtstätte nicht zum Gebiet von Kirchberg, sondern lag innerhalb des Hartwalds, der wiederum an der Römerstraße liegt, die durch den südlichen Teil des Waldgebiets führt. Die Tatsache, dass Kirchberg selbst keinen Anteil am Hartwald hatte, verdeutlicht das Bemühen, die Richtstätte von der eigenen Gemarkung abzugrenzen.

Dieses Vorgehen wurde dadurch erleichtert, dass der Hartwald von Beginn an Gemeingut der sieben umliegenden Gemeinden war und keinem einzelnen Besitzer zugeordnet werden konnte. Dennoch zeigt der Flurname, dass Kirchberg einst das Recht des Blutbannes besaß, also die Befugnis, Todesurteile zu vollstrecken.

Die Lage an der Römerstraße, einer alten Handels- und Verkehrsroute, unterstreicht die strategische Bedeutung dieser Hinrichtungsstätte. Es verdeutlicht, wie Orte der Rechtsprechung häufig so gewählt wurden, dass sie weithin sichtbar und leicht zugänglich waren, um ihre abschreckende Wirkung zu maximieren. Bis heute erzählt der Name „Kirchberger Richtstatt“ von diesen längst vergangenen Zeiten.

Quelle: Galgenstandorte im Landkreis Ludwigsburg

Überlieferungen wer dort gerichtet wurde und was die Personen verbrochen haben gibt es keine.

Heute vor Ort:

vom Galgen oder dessen Fundamenten zeugt keine Spur mehr. Vermutlich war er an einer Kreuzung nördlich der alten Römerstrasse. Im Wald befindet sich eine kleine Erhöhung und dort steht ein Grenzstein.

Als zweite mögliche Option bietet sich zudem eine Grube an, die in der LIDAR‑Ansicht ausgesprochen deutlich hervortritt. Durch ihre Form und Lage entsteht dort beinahe eine natürliche Art von Bühne, von der aus man einer möglichen Hinrichtung hätte zuschauen können.

Bild zeigt in die Grube

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Ein Kommentar zu “Galgen, Kirchberg

  1. Weitere mögliche Hinrichtungsstätten:

    • Flur Galgenberg zwischen Backnang und Maubach
    • Flur Galgen an der Straße von Murrhardt nach Karnsberg
    • Flur Hauptäcker zw. Unterweissach und Unterbrüden (vllt. wurden hier Verbrecher enthauptet)
    • Flur Totenwald bei Siegelsberg (vllt. auch Massengrab aus dem Mittelalter o. Begräbnisplatz für Selbstmörder)

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