
In der Oberamtsbeschreibung Marbach von 1832 ist erwähnt:
Etwa 1/4 Stunde nordwestlich vom Ort entdeckte man vor etwa 10 Jahren auf der Flur „Steinloch“ einen ziemlich ausgedehnten römischen Wohnplatz, bei dem man noch gegipste Mauerreste, röm. Ziegel, Heizröhren etc. fand.
Mehr Informationen finden sich zunächst nicht.
Der Gutshof dürfte wie der bei Mundelsheim auch der Ernährung der Siedlung auf der anderen Seite von Ottmarsheim gedient haben.
Heute vor Ort in Ottmarsheim:

Schon beim ersten Betreten des Gewanns fällt der außergewöhnlich hohe Anteil an Tonteilen ins Auge – in einer Dichte, wie ich sie bislang an keiner anderen Stelle beobachten konnte. Wenn die Sonne tief über dem Horizont steht, beginnt der Acker an manchen Stellen sogar rötlich zu schimmern.
Im bachgewandten Bereich sind die Scherben zunächst sehr klein, doch je höher man den Hang hinaufsteigt, desto größer und massiver werden die Bruchstücke. Es finden sich Teile von Leisten – und Hohlziegeln. Schließlich gelang es mir sogar, ein bemerkenswert großes Fragment eines römischen Dachziegels – einer tegula – zu bergen. Ein Fund dieser Größe ist mir bisher an keinem anderen Ort gelungen.


Auffällig ist hingegen das sehr geringe Fundaufkommen von Steinen. Entweder bin ich hier auf ein Ziegellager gestoßen, oder die steinernen Baustrukturen liegen noch zu tief im Boden verborgen – oder aber sie wurden im Laufe der Jahrhunderte vollständig abgetragen.
Die Lage des Fundplatzes selbst entspricht auffallend den typischen Standorten römischer villae rusticae in unserer Region: ein sanft nach Süden geneigter Hang, geschützt und sonnenbegünstigt, und zugleich in unmittelbarer Nähe zu einem Bachlauf, der Wasser und fruchtbare Auenböden bot.
Alles in allem handelt es sich um eine äußerst vielversprechende Fundstelle, die jedoch leider ihrer fortschreitenden Zerstörung nahezu schutzlos ausgeliefert ist. Der Acker wurde erst vor Kurzem sehr tief gepflügt, und mit jedem weiteren Jahr verringert sich dadurch die Zahl der potenziellen Funde spürbar. Was heute noch an der Oberfläche liegt, könnte morgen bereits unwiederbringlich verloren sein.
Gerade angesichts der archäologischen Bedeutung dieses Ortes wäre ein stärkerer Schutz dringend geboten. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es wäre, solche Fundplätze frühzeitig zu sichern, bevor die letzten Spuren der Vergangenheit endgültig dem Pflug zum Opfer fallen.
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