
Manchmal kommt als Heimatforscher ein Hauch von Indiana Jones auf. Man liest einen kurzen Satz wie z.b. diesen in der Oberamtsbeschreibung von Württemberg
In dem zur Markung Erbstetten gehörigen kalten Brunnenwald stand eine römische Niederlassung, nach der Volkssage eine Stadt; daselbst wird ohne Zweifel der römische Denkstein, welcher an der Kirche zu Erbstetten eingemauert war, aber spurlos verschwunden ist, gefunden worden sein.“
Auf dem Stein Stand:
IN HON
I’I MARTI C
ABETIO SIMVL
LACLVM C. AR
TSR CON. V. S. L L. M.
In honorem domus divinae Marti Cabetio simulacrum votum solvit libentissime merito.Übersetzung:
Zu Ehren des göttlichen Hauses des Mars leistet Cabetio bereitwillig und verdientermaßen ein Gelübde vor dem Bild.
Darauf hin beginnt erst die Recherche im Internet und danach vor Ort. Dort hangelt man sich an Steilhängen voran oder folgt den ausgetretenen Pfaden von Tieren durch das Dickicht und hofft nicht auch noch von einem Jäger erschossen zu werden.
Aber nun zurück zum Thema – Das Zitat von oben ist der einzige überlieferte Hinweis, der auf eine solche „Stadt“ in diesem Bereich deutet. Der entsprechende Flurname existiert heute nicht mehr. Auf einer alten Karte von 1832 erscheint jedoch noch ein „Brunnenwald“, der sich in der Nähe des Kirchenhardthofes und etwas südöstlich von Wolfsölden befindet.
Das Gelände wird heute intensiv landwirtschaftlich genutzt. Es umfasst Ackerflächen, industrielle Baumwiesen sowie herkömmliche Wiesen. Das Terrain fällt deutlich nach Norden/Nordwesten zum Buchenbachtal ab – einem beliebten Ausflugsziel und zugleich einem geschützten Naturraum. Dort stehen einige sehr alte Steinbrücken die auch heute noch Interessierte anziehen.

Im Gewann selbst befindet sich eine Quelle, die den historischen Flurnamen „Brunnenwald“ durchaus plausibel erscheinen lässt. Folgt man dem Hang in Richtung dieser Quelle, stößt man in ihrer Nähe auf eine auffallend große Vertiefung, die auch in den LiDAR-Daten klar erkennbar ist.
Das Erscheinungsbild erinnert an einen alten Steinbruch, dessen zeitliche Einordnung jedoch unklar bleibt. Weitere, kleinere Steinbrüche liegen westlich davon am Hang. Ob sie römischen Ursprungs sind oder möglicherweise beim Bau der Burg Wolfsölden genutzt wurden, lässt sich durch mich nicht bestimmen.
Bemerkenswert ist zudem, dass auf einem Acker innerhalb dieses Gewanns zahlreiche Steine sowie größere Mengen alter Keramikfragmente zu finden sind. Die Scherben sind jedoch zu klein, um sie sicher typologisch oder chronologisch einzuordnen. Die Wiesenflächen wirken stellenweise ungewöhnlich uneben, was den Eindruck verstärkt, dass sich darunter Mauerwerk oder weitere Strukturen verbergen könnten. Auch bei einigen umgefallen Bäumen im Abhang befand sich Ton im Wurzelwerk.
Zum jetzigen Zeitpunkt lassen sich jedoch keine gesicherten Aussagen treffen. Die Indizien sprechen dafür, dass es sich um den in den historischen Quellen erwähnten Ort handeln könnte – belastbare Beweise fehlen bislang.
Die Lage wäre für einen vicus allerdings eher ungewöhnlich. Der Buchenbach verläuft tief unten im Tal und ist nur schwer zu erreichen, die Quelle selbst entspringt an einer schrägen Hangkante, und auch die westwärts gerichtete Ausrichtung entspricht nicht dem typischen Muster römischer Siedlungsplätze. Dennoch liegen mehrere römische Gutshöfe in unmittelbarer Nähe: Heidenhof (Brand), Heidenhof (Birkach), Weiler zum Stein und auch der Hof bei Burgstall.
Nordwestlich von Erbstetten findet sich zudem ein weiteres Gewann mit dem Namen „Brunnen“. Auch dort entspringt die Quelle an einem Hang, diesmal jedoch nach Norden hinab zur Murr. Betrachtet man beide Orte im Vergleich, so erscheint der Brunnenwald als der wahrscheinlichere Standort für eine römische Nutzung — sei es als Hofstelle, Wasserentnahmepunkt oder kleinerer Siedlungsplatz.
Vielen Dank an das Bauamt der Gemeinde Burgstetten und den Herrn Elzmann vom Historischen Verein Burgstetten bei der Lokalisierung der Gemarkung.
Wer hier mehr Informationen hat darf sich gerne bei mir über das Kontaktformular oder die Kommentarfunktion melden. Vielen Dank!
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