Römisches Gebäude, Erdmannhausen (Hälde)

Im September 2017 legte eine Sondierungsgrabung unter der Leitung des ehrenamtlichen Archäologen Jürgen Berner die Mauern und Fundamente eines römischen Wirtschaftsgebäudes frei. Der Bau maß 14,5 Meter in der Länge und 14,3 Meter in der Breite und war einst vermutlich mit Schilfrohr oder hölzernen Schindeln gedeckt. Teile der Mauern haben sich bis heute erhalten und weisen eine Stärke von 75 Zentimetern auf.

Bereits im Mai 1985 waren rund 200 Meter weiter südlich römische Baureste entdeckt worden, als dort eine Erdgasleitung verlegt wurde. Die Funde deuten darauf hin, dass sich an dieser Stelle einst eine römische Siedlung oder ein Gutshof befand.

Eine im April 2019 durchgeführte Bodenradar-Untersuchung erfasste zudem östlich davon ein weiteres römisches Gebäude mit rechteckigem Grundriss, dessen Erhaltungszustand jedoch deutlich schlechter ausfällt.

Quelle: Gemeinde Erdmannhausen

Das Landesamt für Denkmalschutz Baden-Württemberg schreibt folgendes dazu:

Vorgeschichtliche Siedlung und römerzeitlicher Gutshof
Überreste von Gebäuden in Form von Mauern, teilweise im Luftbild zu erkennen, weisen auf eine ehemalige Bebauung der Fluren „Äußeres Höfle“ und „Hälde“ hin. Funde und Befunde weisen eine römerzeitliche Besiedlung nach. Im April 2019 konnte durch geophysikalische Prospektion ein weiteres Gebäude der früheren villa rustica festgestellt werden.
Weitere Prospektionsergebnisse im September 2019 konnten im Westen der kartierten Fläche mögliche vorgeschichtliche Siedlungsgruben dokumentieren.
Nähere Erkenntnisse zur Datierung und Siedlungsgeschichte könnten weitere, im Boden zu erwartende Funde und Befunde ermöglichen.

Heute vor Ort:

Die Lage des ehemaligen Gutshofes muss außerordentlich günstig gewesen sein, denn die Fläche wurde nicht nur im Mittelalter weitergenutzt, sondern dient bis heute landwirtschaftlichen Anwesen als Standort. Etwas versetzt den Hang hinab eröffnete das Gelände zudem eine hervorragende Sichtverbindung sowohl zum Siedlungsgebiet an der Murr (untere Au) als auch zu weiteren römischen Gebäuden in der Umgebung.

Das römische Gebäude selbst lag unmittelbar an einer Quelle, die bis heute genutzt wird. Das Areal präsentiert sich heute als Wiese, weist jedoch zahlreiche Unebenheiten und Bearbeitungsspuren auf, die jenen anderer bekannter Siedlungsplätze auffallend ähneln.

Auf dem unmittelbar angrenzenden Acker konnte ich zum Zeitpunkt Dezember 2025 keine Funde feststellen.


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4 Kommentare zu „Römisches Gebäude, Erdmannhausen (Hälde)

  1. In Erdmannhausen kommen die Flurnamen Inneres und Äußeres Höfle vor. Außerdem soll sich bei Erdmannhausen der Ort Eglofshalden befunden haben. Vielleicht wurde die römische Siedlung von den nachrückenden Alemannen neu besiedelt. Im benachbarten Kirchberg sind die mittelalterlichen Orte Auhof und Schwabstetten auch an der Stelle römischer Höfe entstanden.

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    1. Hi Daniel, Inneres und Äusseres Höfle sind beim Rundsmühlhof in der nähe des Gutshofes. Dort ist auch das Gewann Höfle, dort war ich heute auch. Leider gibt es dort nicht all zu viel zu sehen. Zu Eglofshausen mache ich auch bald etwas 🙂 Schwabstetten ist heute die Flur Abstetter, dort war ich auch schon mehrmals bisher ausser alten Weinbergmauern leider ohne Fund. Der Auhof dürfte sich in der Nähe des römischen Siedlunsggebietes „Untere Au“ befunden haben. Man sieht auf alle Fälle wie dicht die Besiedlung hier in der Nähe sowohl von Römern, Alemannen und im Mittelalter war.

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      1. In der Gegend lagen viele Siedlungen, von denen wir nahezu nichts mehr wissen: „Eichhalden“ (gehörte den Herren Sorrar von Kirchberg), „Luttern“ (gehörte wohl denen von Gaisberg), „Crayenfeld“ (d.h. Kronfeld, lag wohl bei der Kirchberger Mühle, die früher Kronfelder Mühle hieß), „Rundsmühle“ beim Rundsmühlhof, „Waibstatt“ (ein anderer Name für Schwabstetten ?) Auf alten Karten ist Schwabstetten noch deutlich zu erkennen, etwa durch viele kleine Parzellen. Leider ist durch die Flurbereinigung viel zerstört worden. Der Flurname „Mäuerle“ nördlich von Kirchberg könnte auch auf eine Villa rustica hinweisen.

        Ganz seltsam ist der Flurname Steinbronner Weg und Steinbronner Hau. „Steinbronn“ klingt wie ein Ortsname, allerdings ist keine Wüstung mit diesem Namen bekannt. Vielleicht kannst Du was dazu herausfinden…

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