
Beim Bau eines Hauses am nordöstlichen Rand von Steinheim an der Murr (Landkreis Ludwigsburg), westlich der heutigen Kleinbottwarer Straße, stieß man 1974 auf Spuren eines römischen Steinbruchs am Hang östlich der Bottwar. Beim Aushub waren bearbeitete Steine aufgefallen, sodass das Landesdenkmalamt die Fundstelle im Februar desselben Jahres untersuchte. Im südwestlichen Teil der Baugrube lagen mehrere große Blöcke aus Lettenkeupersandstein, teils bis zu zwei Meter lang und einen Meter hoch, die keinerlei Bearbeitungsspuren zeigten. Ein durch den Bagger versetzter Stein jedoch war grob in die Form eines römischen Altars gearbeitet und befand sich in der Mitte der Baugrube. Weitere Funde wurden nicht gemacht.
Unmittelbar östlich der Stelle befand sich zudem ein weiterer Steinbruch, der bis ins 19. Jahrhundert genutzt wurde. In der Südostecke der Baugrube fand sich über dem Hangschutt eine jüngere, etwa einen Meter starke Aufschüttung aus Muschelkalk, Quarzit, Schlacke und Kohle. Der entdeckte Altarrohling belegt, dass hier in römischer Zeit Sandstein gebrochen und vor Ort grob zugearbeitet wurde, bevor das Material über Bottwar und Murr zu Steinmetzen transportiert wurde, die die endgültige Ausformung übernahmen. Heute ist der Rohling des Altars wenige Meter nordöstlich seiner Fundstelle in einer öffentlichen Grünanlage wieder aufgestellt und erinnert an die römische Steinbearbeitung in Steinheim.
Quelle: Dissertation Wagschal

In der Lidaransicht treten die gewaltigen Ausmaße des Steinbruchs deutlich hervor: An seiner längsten und breitesten Stelle misst er rund 200 Meter in der Länge und etwa 60 Meter in der Breite. Besonders eindrucksvoll sind die glatt abgearbeiteten Hänge, die sich wie scharfe Schnitte tief in den Hang hineingraben. Hier sieht man die Ähnlichkeit mit dem Steinbruch am Bülzberg.

Auch im Gelände selbst lassen sich noch Spuren der allgemeinen Bearbeitung erkennen – unregelmäßige Vertiefungen, kantige Abbruchflächen und verstreute Steinreste, der Ort vermittelt den Eindruck, als sei die Zeit eingefroren und die Arbeit erst gestern beendet worden.
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Ein Kommentar zu “Römischer Steinbruch, Steinheim an der Murr”