Römische Brandgräber, Forsthof

Gelb: Römische Brandgräber, Rot: keltische Grabhügel

In den Jahren 1923 und 1924 wurde im Gewann „Aichhalde“, einem östlichen Seitental der Bottwar, ein römischer Friedhof mit etwa 25 Brandgrubengräbern entdeckt. Die Fundstelle liegt am Südhang einer kleinen Kuppe, rund 100 bis 150 Meter nordwestlich des Forsthofs, wo ab 1921 Wald gerodet wurde. Beim Pflügen kamen Scherben zum Vorschein, woraufhin die Stelle im Oktober 1924 untersucht wurde. Die Gräber lagen 20 bis 30 Zentimeter unter der Oberfläche, jeweils 1 bis 2 Meter voneinander entfernt, und enthielten Leichenbrand sowie Keramikscherben, vor allem von Krügen. Zwei gefundene Münzen ermöglichen eine Datierung der Bestattungen in die Zeit nach der Mitte des 2. Jahrhunderts. Eine zugehörige Siedlung wurde bislang nicht nachgewiesen; Paret vermutete sie über dem Rohrbach, südöstlich bzw. östlich des Forsthofs (Landkreis Ludwigsburg). Interessant ist das in unmittelbarer Nähe auch keltische Hügelgräber erhalten sind.

Quelle: Dissertation Dr. Wagschal

Was sind Brandgräber?

Ein römisches Brandgrab ist eine Bestattungsform, bei der der Verstorbene verbrannt wird und die Asche (der Leichenbrand) anschließend beigesetzt wird. Üblich war zunächst die rituelle Waschung und Salbung des Leichnams, dann die Einäscherung auf einem Scheiterhaufen; nach dem Erlöschen der Glut sammelte man die Knochen- und Aschereste ein und füllte sie in Tongefäße oder legte sie als Schüttung in eine Grabgrube. Manchmal erfolgte die Verbrennung direkt über der Grabstelle (bustum), in anderen Fällen wurde die Asche später in ein Grabgefäß überführt.

Typische Grabbeigaben sind Keramik, Glas, Münzen, Schmuck und in manchen Regionen Lampen; die genaue Ausstattung variiert regional und nach sozialem Status. Brandgräber lagen meist außerhalb der Siedlungen entlang von Straßen oder auf Gräberfeldern und bilden oft zusammenhängende Bestattungsplätze.

Quelle: https://archaeonet.de/referenzen/ov2014-1011/

Heute vor Ort:

Folgt man den Ortsangaben von Paret, liegt die mutmaßliche Lokalität der Gräber etwa 100–150 Meter nordwestlich des Forsthofs an einem südexponierten Hang. Erwähnt wird außerdem ein Hügel, der jedoch nicht näher beschrieben wird; ob und wie groß er ist, bleibt daher offen. Das betreffende Gelände ist heute teilweise als verwildertes Naturschutzgebiet oder als Streuobstwiese erhalten.

Die wahrscheinlichste Fundstelle dürfte im Naturschutzgebiet liegen. Dort dominieren erwartungsgemäß Sträucher, Bäume und dichtes Dornengebüsch, sodass die Sicht stark eingeschränkt ist und viele Details im Unterholz verborgen bleiben. Dennoch vermittelt das kleine, steile Tal noch immer eine eigentümliche, fast andächtige Atmosphäre.

An einigen Stellen der Südwand zeigen sich etwa 50 cm × 1 m große Einmuldungen. Ob diese Vertiefungen natürlichen Ursprungs sind, durch Erosion entstanden oder Relikte alter Grabstellen darstellen, lässt sich ohne genauere Untersuchung nicht sagen.


Entdecke mehr von Vicus Murrensis

Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.

2 Kommentare zu „Römische Brandgräber, Forsthof

Hinterlasse einen Kommentar

Entdecke mehr von Vicus Murrensis

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen