
🕰️ Die Burg von Kirchberg in Gadners Chorographia (1593)
In der Chorographia des Geographen Georg Gadner aus dem Jahr 1593 erscheint in der Darstellung von Kirchberg (Rems Murr Kreis) eine kleine Burg – versehen mit einem Turm und einem seitlichen Anbau. Leider bleibt unklar, ob die Anlage zu diesem Zeitpunkt bereits verfallen war, denn Gadner setzte den gelben Standortpunkt ausgerechnet direkt über das Bauwerk, wodurch eine genauere Interpretation erschwert wird.

🏞️ Mögliche Lagen der Burg
Zwei Standorte kommen für die einstige Burganlage in Frage:
1. Nordöstlich des Buchenbach-Einflusses auf einer Anhöhe über der Murr
Wenn man davon ausgeht, dass Gadner die Geographie korrekt wiedergegeben hat, liegt die Burg nordöstlich des Zusammenflusses von Buchenbach und Murr, auf einer strategisch günstigen Anhöhe. Diese Interpretation wird durch die Darstellung auf der Karte gestützt: Die Position wäre für eine Burg ideal – erhöht, mit weitem Blick ins Tal und natürlichem Schutz durch das Gelände. Auch ist die Burg auf Gadens Zeichnung nicht auf einem einzelnen Hügel. Tatsächlich finden sich auf der Anhöhe über der Murr mehrere Bereiche, die als potenzielle Standorte infrage kämen. Das Gelände fällt steil zur Murr ab, bildet jedoch unterhalb der Kante ein kleines Plateau, das möglicherweise künstlich eingeebnet wurde. Gegen diese Theorie spricht allerdings das völlige Fehlen von Steinfunden – weder am Hang noch auf den darüberliegenden Äckern konnten bislang Hinweise auf eine Bebauung entdeckt werden.
2. Der Gaisberg – eine Bergnase des Rappenbergs
Alternativ wird die Burgstelle auf dem Gaisberg vermutet, einer markanten Bergnase des Rappenbergs. Der Gaisberg wird im Süden von der Murr und im Westen von einem namenlosen Bächlein umflossen. Westlich des Dorfes und nördlich des heutigen Bahnhofs von Kirchberg trug eine Flur in früheren Zeiten den Namen Unter der Burg, was auf eine historische Burgstelle hindeuten könnte. Der Name Gaisberg selbst leitet sich von einem lokalen Adelsgeschlecht ab, das auch für die Burg Helfenberg verantwortlich war.

Wenn man sich die LIDAR Karte des Berges ansieht fällt auf das beim Sportplatz des CVJM Kirchberg ein „Loch“ im Berg ist. Diese Vertiefung wird heute als Grillplatz verwendet. Besonders interessant ist das hier am ehesten die vermutet Burg gestanden haben könnte. Eventuell wurde erst der Burgstall selbst abgebrochen und danach weiter in den Berg vorgearbeitet.
Wer sich in der näheren Umgebung umsieht, entdeckt eine Vielzahl von Geländespuren: kleine Erhöhungen und Vertiefungen, alte Wege sowie aufgeschüttete Steine. All dies vermittelt den Eindruck, dass der Berg einst intensiv genutzt und vielleicht sogar besiedelt war.
Besonders auffällig sind Mauerreste, die in Bauart und Verwitterung den Weinbergmauern von Burgstall erstaunlich ähnlich sehen. Diese Parallelen lassen vermuten, dass sie in derselben Zeit entstanden sein könnten. Die Mauern finden sich sowohl an der Süd- als auch an der Westseite des Berges. Sie sind als kleine Terrassen angeordnet was auch hier Weinbau vermuten lässt. In der Oberamtsbeschreibung Marbach von 1866 wird ich Kirchberg. Weinbau erwähnt.
Im Gelände liegen zudem zahlreiche Steine verstreut, deren Herkunft sowohl auf eine frühere Nutzung als Steinbruch als auch auf eine Burganlage zurückgeführt werden könnte.

Ein weiterer Hinweis ergibt sich aus der auffälligen Ähnlichkeit zu den Lagen anderer Burgen in der Umgebung – etwa Steinheim, Schöntal oder Steinhausen. Auch sie befinden sich auf Bergnasen, unterhalb fließt jeweils ein kleiner Bach, und die Ausrichtung zeigt bevorzugt nach Süden oder Südwesten. Dieses wiederkehrende Muster spricht dafür, dass auch hier eine Burg gestanden haben könnte, am ende bleibt dies aber nur eine Vermutung.
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Danke für die vielen Informationen,
falls noch nicht bekannt, die Lidar-Karten sind auch in erheblich
besserer Auflösung frei zugänglich.
Mit freundlichen GrüÃen, Walter Biermann.
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@ Walter
Wo gibt es diese Karten?
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https://www.geoportal-bw.de/?permalinkId=e40b8e11-2e24-435a-ba3a-84230b31ea2b#/(sidenav:search-results/kleinbottwar)
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Neben den Herren von Gaisberg kommt noch ein Geschlecht „Sorrar von Kirchberg“ vor. Von diesem Geschlecht sind nur zwei Personen bekannt:
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Derzeit läuft ein Verfahren, den Steinbruch Klöpfer nach Osten zu erweitern.
Der Bereich erstreckt sich bis zu Gemeindeverbindungsstrasse Kirchberg – Rielingshausen.
Möglicherweise liegt in diesem Bereich auch der vermutete „Hof Aichhalden“.
Man darf nur hoffen, dass eine „Vorerkundung“ stattfindet, um mögliche Überreste vorher
zu dokumentieren und ggf. zu sichern
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Tatsächlich ist die Burg Kirchberg durch einen Steinbruch zerstört worden, der wohl im 19. Jahrhundert noch in Betrieb war. Hier der Beweis: Deutsche Fotothek. Auf dieser Karte ist auch die Burgstelle Schlösslesberg am Lehrhof zu sehen. Auch diese Burg fiel leider einem Steinbruch zum Opfer.
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Hi Daniel, danke für den Link! 🙂 Schade für uns das die Burgen einfach verschwunden sind. Kann die Menschen von damals aber verstehen. Man bekommt ohne viel Aufwand schon bearbeitete Steine.
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Vielleicht lohnt es sich, die Steine der Weinbergmauern nochmals genau anzusehen. Es könnten möglicherweise Steine der ehemaligen Burg darunter sein. In Stuttgart hat man schon Buckelquader in Trockenmauern entdeckt, die von den diversen Stuttgarter Burgen (Weißenburg, Wartenberg, Reinsburg etc.) stammen. Solche Quader ermöglichen eine genaue Datierung in die Stauferzeit
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