Römischer Steinbruch, Rielingshausen

römischer Steinbruch Rielingshausen Marbach

🌄 Der römische Steinbruch am Bülzberg

Etwa 600 Meter nordwestlich des römischen Gebäudes im Reiterhau befindet sich ein beeindruckendes Relikt aus der Antike: der ehemalige Steinbruch der Römer. Eingebettet in die bewaldete Landschaft liegt er rund 100 Meter unterhalb der Spitze des Bülzbergs.

Eine Zufahrt, deren Breite wohl gerade ausreichte, um einen Wagen passieren zu lassen, ist nordwestlich gut erkennbar. Der Steinbruch selbst gräbt sich tief in das Gestein des Berges hinein – an manchen Stellen erreicht die Tiefe ca. 15 bis 20 Meter. Seine Ausdehnung ist beachtlich: Die Diagonale verläuft von Nordwest nach Südwest und misst etwa 60 Meter, während die breiteste Stelle rund 30 Meter beträgt.

Die Form des Steinbruchs ist unregelmäßig, was auf verschiedene Arbeitsbereiche und Nutzungsphasen hindeutet. Besonders auffällig ist die große Anzahl an Steinen, die in ihrer Beschaffenheit jenen ähneln, die für den Bau der Römerstraße zwischen Benningen und Murrhardt verwendet wurden. Einige dieser Steine sind noch heute gut sichtbar – rechteckig behauen, als wären sie erst kürzlich aus dem Fels geschlagen worden.

Ein Trampelpfad führt rund um den Steinbruch, dessen Ursprung jedoch unklar ist. Ob er bereits in römischer Zeit existierte oder erst in der Neuzeit angelegt wurde, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Es erscheint jedoch plausibel, dass bereits zur Zeit der Römer ein Zugang bestand, möglicherweise sogar mit einer kleinen Siedlung oder Unterkunft für die Arbeiter.

Etwas oberhalb des Steinbruchs erstreckt sich ein flaches Plateau, auf dem größere, bearbeitete Steine liegen. Es ist zu vermuten, dass hier einst ein Gebäude stand.

Den Verweis auf den Steinbruch habe ich von Heiner Kirschmer (Punkt 1.3) entnommen.

Wo Material produziert wird, muss es selbstverständlich auch abtransportiert werden. In diesem Fall kommen wohl nur Routen in südlicher Richtung infrage. Betrachtet man das Gelände genauer, zeigt sich rasch, dass nicht allzu viele Wege zur Verfügung stehen – insbesondere dann, wenn man Steigungen oder Gefälle möglichst vermeiden möchte.
Option 1 orientiert sich am Gebäude im Gewann Reiterhau. Da dort ohnehin eine Weggabelung zur Militärstraße existierte, wäre es denkbar, dass sich genau an dieser Stelle der weitere Verlauf des Weges zum Steinbruch befand. Diese Annahme würde auch mit der Richtung übereinstimmen, aus der die Straße ursprünglich gebaut wurde – nämlich aus Westen.
Option 2 beschreibt eine etwas östlichere Route, die zu jenem Punkt führt, an dem die Straße ihren nördlichsten Verlauf nimmt. Alternativ gäbe es noch Option 3, die sich stärker am Berg orientiert und am östlichsten Punkt auf die Militärstraße trifft.
Sollte das Gebäude im Reiterhau tatsächlich in Verbindung mit dem Steinbruch gestanden haben, erscheint Option 1 als die realistischste Variante, da sie den kürzesten Weg darstellt. Allerdings konnte ich bislang keine baulichen Überreste entlang dieser Strecke entdecken.
Auf der ungefähren Trasse von Option 2 hingegen lassen sich immer wieder vereinzelte Steinreste finden – ein möglicher Hinweis darauf, dass dieser Weg tatsächlich genutzt wurde.

🪨 Die harte Arbeit der römischen Steinmetze

Die Arbeit im römischen Steinbruch war alles andere als leicht. Ohne moderne Maschinen waren die Männer auf Muskelkraft, einfache Werkzeuge und viel Geduld angewiesen. Mit Eisenmeißeln, Hämmern und Hebeln bearbeiteten sie das Gestein – oft unter freiem Himmel, bei Wind und Wetter. Um große Steinblöcke aus dem Fels zu lösen, wurden zunächst Rillen in das Gestein geschlagen, in die man Holzkeile trieb. Diese wurden anschließend mit Wasser getränkt, wodurch sie sich ausdehnten und den Stein sprengten – ein langsamer, aber effektiver Prozess.

Der Lärm war ohrenbetäubend, die Luft erfüllt vom Staub des Gesteins. Die Arbeit war körperlich extrem anstrengend und gefährlich: herabfallende Steine, abrutschende Werkzeuge oder das Risiko, unter einem Block begraben zu werden, waren ständige Bedrohungen. Dennoch war der Steinbruch ein zentraler Ort römischer Infrastruktur – hier begann der Weg jeder Säule, jeder Straße, und jedes Gebäudes.

Die gewonnenen Steine wurden vor Ort grob behauen und dann auf Wagen verladen, die von Ochsen oder Pferden gezogen wurden. Der Transport war mühsam, besonders auf unbefestigten Wegen durch hügeliges Gelände. Es ist gut vorstellbar, dass sich in der Nähe des Steinbruchs einfache Unterkünfte für die Arbeiter befanden – vielleicht Holzbauten oder Zelte, in denen sie nach einem langen Tag zur Ruhe kamen.

Wenn man diese enorme Arbeitsleistung bedenkt, ist es umso beeindruckender, wie tief sich die römischen Arbeiter in der vergleichsweise kurzen Besiedlungszeit in unserer Region in den Berg hineingearbeitet haben. 

Ein weiterer Steinbruch für Sandstein wird im Papier von Kirschmer weiter nördlich genannt. Vermutlich sind die Steinbrüche die es noch im Spätmittelalter genutzt wurden bei Allmersbach am Weinberg gemeint.

Was denkt ihr? Was haben uns die Römer in unserer Gegend hinterlassen? Was beeinflusst uns heute noch? Lasst mir gerne einen Kommentar da.


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4 Kommentare zu „Römischer Steinbruch, Rielingshausen

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