Schon auf Paulus’ Handkarte aus dem frühen 17. Jahrhundert ist eine Römerstraße eingezeichnet, die von Benningen nach Murrhardt führt. Meist folgt sie der Murr, doch ab Erdmannhausen verläuft sie über die höheren Landschaftsteile, bevor sie in Oppenweiler wieder auf die Murr trifft. Diese Strecke diente vermutlich hauptsächlich dazu, Soldaten zum Kastell in Murrhardt zu verlegen. Sie dürfte auch eine bedeutende Rolle für die Besiedlung des Murrgaus gespielt haben.
Römerstrasse Benningen – Murrhardt Abschnitt Rielingshausen

Besonders gut erhalten ist ein Abschnitt bei Rielingshausen, der auch noch auf Lidarkarten zu erkennen ist. Etwas nordwestlich vom Frühmesshof führt die Straße durch den Wald. Sie lag sehr nahe an einem weiteren Gebäude im Gewann Reiterhau, bei dem sie den Eichbach (früher Aichbach) überquerte. Der Name könnte keltischen Ursprungs sein (acum für „Grenzscheid“) oder romanisch (ech für „Abgrenzen“). Vermutlich war es ein Grenzfluss, doch der genaue Überquerungspunkt ist heute nicht mehr auszumachen.
Auffällig ist, dass die Straße in der Mitte deutlich erhöht ist und an den Seiten von Entwässerungsgräben begleitet wird.

Auf dem oberen Abschnitt sind noch deutliche Überreste in Form von unterschiedlich großen Steinen zu sehen.

An einer Stelle entlang des Verlaufs sind sehr große bearbeitete Steine zu sehen, die nicht unbedingt den Eindruck erwecken, in die Straße eingearbeitet worden zu sein. Das Gelände zeigt keine besonderen Merkmale, die eine andere Bauweise erforderlich gemacht hätten. Möglicherweise befand sich dort ein kleineres Bauwerk, oder das Gebiet war besonders sumpfig. Warum sich die Straße gerade an dieser Stelle so gut erhalten hat, bleibt unklar.
In unmittelbarer Nähe befinden sich der Grabhügel Frühmesshof, die abgegangen Grabhügel bei Rielingshausen und der noch erhaltene Grabhügel Rielingshausen.
Abschnitt Großaspach – Backnang – Strümpfelbach

Im Waldgebiet „Größe“ lässt sich der Verlauf der römischen Straße stellenweise noch gut erkennen.

Über weite Abschnitte zieht sie sich schnurgerade leicht von Süd Weste nach Leicht Ost durch das Gelände, bevor sie im östlichen Bereich eine deutliche Richtungsänderung vollzieht und nach Norden abbiegt.
Am Punkt des ersten Richtungswechsels nach Osten befinden sich diese Steine die wohl noch sehr original liegen.

Genau an diesem Punkt könnte sich die Kreuzung mit jener Straße befunden haben, die von Backnang in Richtung Warthof verlief – ein möglicher Verkehrsknotenpunkt im römischen Wegenetz der Region.
Nach dem nördlichen Schwenk setzt sich der Straßenverlauf erneut in einer geraden Linie fort, diesmal durch das angrenzende Waldgebiet Trinkhau, und führt dort in westlicher Richtung weiter. Diese Abfolge von geradlinigen Abschnitten und gezielten Richtungswechseln spricht für eine planmäßige Anlage, wie sie für römische Straßen typisch war.
Der unübliche Knick liegt vermutlich daran das sonst ein sehr tiefes Gelände überwunden werden müsste.

Auch im Abschnitt zwischen Backnang-Stümpfelbach und dem Gewann Trinkhau lassen sich noch Hinweise auf den Verlauf der römischen Straße erkennen. Besonders in einigen Bereichen des Waldes ist eine leicht erhöhte Spur im Gelände sichtbar, die auf den ehemaligen Straßenkörper hindeutet. Zudem treten zahlreiche Steinfunde zutage, die möglicherweise als Reste der einstigen Befestigung oder des Straßenunterbaus gedeutet werden können.
Was auf diesem Teilstück jedoch nicht mehr auszumachen ist, sind die charakteristischen Seitengräben, die für römische Straßen typisch waren und in anderen Abschnitten – etwa bei Rielingshausen – noch deutlich zu erkennen sind. Auch die dort beobachtete Straßenbreite findet im Trinkhau keine Entsprechung; der Verlauf wirkt hier schmaler und weniger ausgeprägt.
Hinzu kommt, dass der Wald in diesem Gebiet stark forstwirtschaftlich genutzt wurde. Der Einsatz schwerer Maschinen hat das Gelände an mehreren Stellen durchtrennt und möglicherweise vorhandene Spuren der antiken Straße überprägt oder zerstört.
Am östlichen Ende des Waldes verlieren sich die Hinweise schließlich vollständig, da dort ein Wiesengrundstück beginnt. Sollte der Eckertsbach bereits vor rund 2000 Jahren existiert haben, wäre an dieser Stelle ein Übergang – etwa in Form einer Brücke oder eines Furts – zu erwarten.
Was denkt ihr? Was haben uns die Römer in unserer gegen hinterlassen? Was beeinflusst uns heute noch? Lasst mir gerne einen Kommentar da.
Entdecke mehr von Vicus Murrensis
Melde dich für ein Abonnement an, um die neuesten Beiträge per E-Mail zu erhalten.































6 Kommentare zu „Römerstrasse Benningen – Murrhardt“